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Schreibabys

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DiederichsSchreibuch

Paula Diederichs
Vera Olbricht

Unser Baby schreit so viel
Was Eltern tun k├Ânnen

144 Seiten. Kartoniert
ÔéČ 14,95
K├Âsel-Verlag
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN 3-466-34456-5
www.koesel.de

Gab es noch vor wenigen Jahren kaum Literatur auf dem deutschen Markt zum Thema ┬╗Schreibabys┬ź, macht sich seit Ende der 90er Jahre der Trend bemerkbar, diese bis dahin vernachl├Ąssigte Problematik ans Licht zu bringen. Die Neuerscheinungen folgten in nur kurzer Zeit, und manch ein Ratgeber ist bereits aus den aktuellen Verkaufsregalen der Buchhandlungen wieder verschwunden. Das Marktgeschehen nimmt f├╝r Verlage, Autoren und Leserschaft gleicherma├čen verwirrende, kaum zu beeinflussende Ausma├če an, die Orientierung f├Ąllt schwer: Welcher Ratgeber ist geeignet? Wo finde ich die Wahrheit? Wer kann am besten helfen?

Die Antwort auf solche Fragen f├Ąllt schwer. Sind doch gerade die akut Betroffenen selten in der Lage, ├╝berhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen, geschweige denn eine Seite daraus in Ruhe und aufmerksamer Gelassenheit zu lesen. Schnelle und erste Hilfe ist gefragt, w├Ąhrend der Kopf bereits brummt und gr├╝belnd hei├č gelaufen ist auf der Suche nach ┬╗Schuldigen┬ź und Ursachen f├╝r das unstillbare Schreien ihres Babys.

Aus diesem Grund begr├╝├če ich besonders, wenn mich Anrufe von Angeh├Ârigen, Freunden oder Bekannten schreigeplagter Familien erreichen, die sich ├╝ber m├Âgliche und existierende Hilfs- und Beratungsangebote informieren m├Âchten, um als Au├čenstehende tatkr├Ąftige und fundierte Unterst├╝tzung zu mobilisieren.

Ihnen, wie nat├╝rlich auch den Betroffenen selbst, m├Âchte ich das neue Buch von Paula Diederichs und Vera Olbricht vorstellen. Es umfasst 144 Seiten, ist ├╝bersichtlich und klar strukturiert und ber├╝cksichtigt die brennendsten Fragen und Gedanken verunsicherter, gestresster und ratschlag├╝berf├╝tterter Eltern.

Im Mittelpunkt steht die St├Ąrkung der individuellen Wahrnehmungsf├Ąhigkeit, die m├╝tterliche, aber auch v├Ąterliche Intuition im Umgang mit dem schwer zu beruhigenden Baby, das Sich-selbst-Finden fern von gesellschaftlichen Gepflogenheiten und lebensfeindlichen ├ťberlieferungen vermeintlich objektiver, wissenschaftlicher Erkenntnisse. Erfahrung durch R├╝ckbesinnung auf die innere Stimme, verloren geglaubte Sinne l├Ąsst Eltern und Kind zueinander finden. Den oft unertr├Ąglichen Schreiwall gilt es zu durchdringen, um Kontakt mit der Seele des Babys aufzunehmen und seinen gest├Ârten Energiekreislauf wieder flie├čen zu lassen.

Hierf├╝r bieten sich konkrete Hilfen im Umgang mit sich selbst und dem schreienden Baby: Meditation, Autogenes Training, Stimm-, Atem- und andere Entspannungs├╝bungen f├╝r die Mutter (nat├╝rlich auch den Vater), um zun├Ąchst selbst der Stress-Spirale zu entkommen, neue Kraft zu sch├Âpfen und Halt in der eigenen Mitte zu finden. Im Umgang mit dem Baby werden entsprechende Tipps gegeben, um seine Energieblockaden zu l├Âsen. Das letzte Kapitel erl├Ąutert mit zahlreichen Abbildungen spezielle Massagetechniken, um z├Ąrtlich mit dem Baby in Kontakt zu treten und eine k├Ârperbezogene Kommunikation zu f├Ârdern.

Der Anhang nennt Literatur zum Thema sowie Adressen von Schreibabyanlaufstellen, die nach den im Buch vorgestellten k├Ârperpsychotherapeutischen Methoden von Eva Reich arbeiten. Abschlie├čend sei auch die dort abgedruckte Kontaktadresse der Autorin Paula Diederichs aufgef├╝hrt, an die sich Hilfe suchende Eltern von Schreibabys oder Interessenten im Bereich Weiterbildung wenden k├Ânnen:

 

Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufafabrik e. V.
Leiterin der Schreibaby-Ambulanzen
Paula Diederichs
Viktoriastr. 13-18
D–12105 Berlin
Tel: (0 30) 43 66 90 44

Homepage: http://www.schreibabyambulanz.info

 

Jutta Riedel-Henck, September 2002

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FriesSchreibuch
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Mauri Fries

Unser Baby schreit Tag und Nacht
Hilfen f├╝r ersch├Âpfte Eltern

124 Seiten, kartoniert
ÔéČ 9,90
Ernst Reinhardt Verlag,
M├╝nchen
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN 3-497-01599-7
www.reinhardt-verlag.de

In diesem Ratgeber der Diplom-Psychologin Mauri Fries und deutschen Vorsitzenden der ┬╗Gesellschaft f├╝r seelische Gesundheit in der fr├╝hen Kindheit
e. V.┬ź (GAIMH)1 steht das Zwiegespr├Ąch zwischen Eltern und ihrem Baby im Mittelpunkt.

Von dem unergr├╝ndlichen Schreien ihres Babys gestresst, nervlich, seelisch und k├Ârperlich ├╝berfordert, werden die feinen Nuancen im Ausdruck des Babys leicht ├╝bersehen. Detailliert und ausf├╝hrlich beschreibt die Autorin die naturgegebene F├Ąhigkeit zwischen Mutter (Vater) und Kind, einander zu verstehen und intuitiv auf die Signale des Gegen├╝bers seinen Bed├╝rfnissen und F├Ąhigkeiten angemessen zu reagieren.

Die Eltern werden ermutigt, sich bewusst auf ihre innere Stimme einzupendeln und Ruhe zu bewahren, um mit m├Âglichst wenig Mitteln und gedrosselter Aktivit├Ąt aus dem Teufelskreis herauszufinden, statt sich von der extremen Unruhe und dem Schreien ihres Babys gefangen nehmen zu lassen.

Vor allem sollten die Eltern sich nicht scheuen, Hilfe von Au├čenstehenden in Anspruch zu nehmen und nach M├Âglichkeit eine Schreiberatungsstelle aufzusuchen. Was sie dort erwartet und wie bereits wenige Gespr├Ąche zu einer Beruhigung der Gesamtlage beitragen k├Ânnen, beschreibt Mauri Fries im letzten Kapitel des Buches, dem eine lange Liste mit Adressen von Beratungsstellen angef├╝gt ist.

Ein handlicher, thematisch konzentrierter Ratgeber, der ebenso f├╝r ┬╗Nicht-Schreibaby┬ź-Eltern geeignet ist, sich ├╝ber die Grundlagen der Kommunikation zwischen Eltern und Kind zu informieren, sowie alle, die beruflich mit Babys und Familien in Kontakt kommen.

Jutta Riedel-Henck, Oktober 2002

 

Adresse der Gesch├Ąftsstelle der GAIMH:

Gesellschaft f├╝r Seelische Gesundheit in der fr├╝hen Kindheit e. V.
Uni.-Prof. Dr. Marguerite Dunitz-Scheer
Univ.-Klinik f├╝r Kinder und Jugendheilkunde Graz
Auenbruggerplatz 30
A–8063 Graz
E-Mail: gaimh@klinikum-graz.at
Tel: 0043 (316) 385 3784
Fax: 0043 (316) 385 4728
Homepage: www.gaimh.de

 

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stundenbaby
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William Sears

Das 24-Stunden-Baby
Kinder mit starken Bed├╝rfnissen verstehen

203 Seiten, kartoniert
Schweiz: La Leche Liga, 1998
ÔéČ 13,90
ISBN 3-906675-04-1

Welche werdende Mutter nimmt sich nicht vor, von ganzem Herzen f├╝r ihr Baby da zu sein, es zu umhegen und zu umsorgen? Und welche Mutter stellt sich angesichts dieser Liebe und Zuwendung, die sie ihrem Neugeborenen entgegenbringt, nicht ein sich wohlig anschmiegendes, knuddeliges Wesen vor, das entspannt in ihren Armen einschlummert? Und auf welch grausame Art sehen wir uns als M├╝tter von Schreibabys auf den Boden der Realit├Ąt geholt, allein dadurch, dass sich in unseren Armen ein wie von Sinnen br├╝llendes B├╝ndel windet? Wie gro├č ist das Entsetzen, wenn unsere Mutterliebe auf dem Spiel zu stehen scheint – zu einem Kind, dem wir uns vor der Geburt doch auf so nat├╝rliche Weise innig verbunden f├╝hlten.

Eltern, die ein Schreibaby gehabt haben, kennen diese Fragen nur allzu gut. Der amerikanische Kinderarzt William Sears ist ein solcher Vater. Eines seiner insgesamt acht Kinder brachte ihm als S├Ąugling bei, was es hei├čt, Vater eines ┬╗besonders liebebed├╝rftigen┬ź Babys zu sein. Seiner Beobachtung nach haben diese besonderen Babys vor allem folgende Pers├Ânlichkeitsmerkmale gemeinsam: sensibel, beharrlich fordernd, unzufrieden, wollen h├Ąufig gestillt werden und immer auf dem Arm sein.

Dass gerade diese f├╝r die Umgebung so anstrengenden Verhaltensweisen eigentlich Ausdruck ausgesprochen positiver Charaktereigenschaften sind, die leider im S├Ąuglingsalter auf derart unangenehme Weise zutage treten k├Ânnen – das herauszustellen, ist der besondere Verdienst dieses Buches.

Die verzweifelte Mutter kann so ihr Baby in einem ganz anderen Licht sehen, lernt, ihren Instinkten zu vertrauen, die ihr Baby tagt├Ąglich so hart auf die Probe stellt. Der Autor zeigt, warum gerade diese Kinder so sehr auf einen einf├╝hlsamen Erziehungsstil angewiesen sind, und gibt zahlreiche praxiserprobte Tipps im Umgang mit schwierigen Babys.

Ein Kapitel ist au├čerdem der pers├Ânlichen Situation der Eltern gewidmet, die mehr als andere darauf achten m├╝ssen, kein Burnout-Syndrom zu entwickeln. Die Betreuung eines anspruchsvollen Babys ist in hohem Ma├če kr├Ąftezehrend, und trotz bester Absichten gelangt wohl jede Schreibaby-Mama irgendwann an den Punkt, wo ihr K├Ârper ihr ganz deutlich sagt: Ich kann nicht mehr. Deshalb ist es auch so wichtig, sich Erholungsinseln zu schaffen, um k├Ârperlich und seelisch auftanken zu k├Ânnen.

Dieses Buch hat mir wie kein anderes geholfen, mich auf mein eigenes Schreibaby einzulassen, es innerlich anzunehmen und die vielen Ratschl├Ąge und Patentrezepte, wie man das Baby doch noch in ein pflegeleichtes umwandeln k├Ânnte, einfach beiseite zu lassen; mich vielmehr von Situation zu Situation in das Kind einzuf├╝hlen und zu lernen, seine Bed├╝rfnisse zu ersp├╝ren. Ich sage ┬╗lernen┬ź, denn am Anfang waren die Signale meines Kindes f├╝r mich ein Buch mit sieben Siegeln. Mit der Zeit ist mir jedoch immer mehr das gelungen, was laut William Sears das prim├Ąre Ziel jeder Kindererziehung sein sollte: mein Kind zu kennen und ihm zu helfen, sich gut zu f├╝hlen.

 Beate Losch, Oktober 2000

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lucasbuch
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Susanne Lucas

Schreibabys

Ein Hilfebuch f├╝r Eltern

192 Seiten, kartoniert
Econ & List
vergriffen
(DM 14,90) gebraucht
ISBN 3-612-20645-1
 

Als ich mich entschloss, ein Buch zum Thema ┬╗Schrei-Babys┬ź zu verfassen, waren mir nur ├ťbersetzungen aus dem Amerikanischen bzw. Englischen bekannt: Sandy Jones Schreiende Babys – schlaflose N├Ąchte, Bruce Taubmans Wenn mein Baby zuviel weint, Aletha J. Solters Warum Babys weinen und die Werke der bekannten und viel gelesenen Geburtsvorbereiterin und Stillberaterin Sheila Kitzinger. Heute schaue ich erstaunt in das aktuelle Verzeichnis eines Internet-Buchhandels und finde unter dem Stichwort ┬╗Schreibaby┬ź gleich vier Werke von deutschsprachigen Autorinnen – meines nicht eingeschlossen.

Eine dieser Neuerscheinungen mit dem schlichten Titel Schreibabys habe ich nun gelesen. Die Journalistin Susanne Lucas, viele Jahre Redakteurin der Elternzeitschrift Mein Kind und ich, hat ┬╗Erkenntnisse und Empfehlungen┬ź von Experten zusammengetragen, die ┬╗als Wegweiser dienen┬ź sollen, ┬╗um trotz aller Verzweiflung, Ratlosigkeit und Verunsicherung Babys Weinen in den Griff zu bekommen┬ź (S. 11).

Mit gemischten Gef├╝hlen und neugierig zugleich folgte ich den Ausf├╝hrungen der Autorin, um nicht selten mir bekannte Worte, Formulierungen, Zitate und Inhalte zu entdecken. W├Ąhrenddessen entwickelte sich in meiner Phantasie das turbulente Bild einer Journalistin, die in einen Wust von gesammelten Recherche-Funden vertieft am Schreibtisch sitzt, umlagert von zahlreichen Kopien, Heftern, Zeitschriften, Artikeln und B├╝chern, durch wilde Energiesch├╝be an die Tasten ihres Laptops gescheucht, flink und eifrig die herausgepickten Informationen in den Speicher des Computers zu f├╝ttern, geleitet von dem Gedanken an die Vollendung eines m├Âglichst umfassenden, reichhaltigen Werkes in Form eines gebundenen, bedruckten Buches von etwa 200 Seiten.

Selbstbeobachtend z├╝gelte ich meinen Drang zur Kritik, mir stets der Gefahr bewusst, als Autorin eines themengleichen Buches ├╝bertrieben anspruchsvoll, voreingenommen, m├Âglicherweise ungerecht zu urteilen und keine f├╝r eine breitgef├Ącherte Leserschaft repr├Ąsentative Meinung zu vertreten.

Bei den in diesem Buch zusammengetragenen Informationen handelt es sich vor allem um Ergebnisse und Erkenntnisse, die andere Autoren, Wissenschaftler, ├ärzte, ┬╗Experten┬ź und ┬╗Fachleute┬ź im Verlauf langj├Ąhriger, intensiver und hingabevoller Forschungsarbeit entwickelt haben, um eine komplexe Problematik von allen nur m├Âglichen Seiten zu beleuchten und den Eltern L├Âsungsm├Âglichkeiten anzubieten, ihr unruhiges Baby zu begreifen und seinen speziellen Bed├╝rfnissen gerecht zu werden.

All diese Quellen verschwimmen im Text zu einem gro├čen Ganzen, verbunden und miteinander vermischt durch einen eher lockeren, fl├╝chtigen Schreibstil der Autorin, an die vielen oberfl├Ąchlichen Berichte in Elternzeitschriften erinnernd, gerichtet an Leserinnen, die mit wissenschaftlichem Arbeiten und Denken wenig erfahren sind. So wirkt manches, was die Autorin schreibt, wie aus dem ├ärmel gesch├╝ttelt, umso mehr, da die Quellen der viel zitierten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse oder Wissenschaftler unzureichend bzw. ├╝berhaupt nicht genannt werden, w├Ąhrend mit Redewendungen wie ┬╗Schreiexperten wissen┬ź, ┬╗Experten sagen┬ź, ┬╗Fachleute erkl├Ąren┬ź  oder ┬╗darin sind sich Wissenschaftler und Experten einig┬ź nicht gespart wird.

Frei nach dem Motto ┬╗Hilfebuch f├╝r Eltern┬ź (und nicht f├╝r Wissenschaftler), werden die Urheber und Urheberinnen der zur Recherche herangezogenen Literatur zu austauschbaren Informanten im Hintergrund. Besonders in den Kapiteln ┬╗Nahrungsmittelunvertr├Ąglichkeiten┬ź und ┬╗Vorsicht bei Medikamenten┬ź entdeckte ich eine Art Kurzfassung ├Ąhnlich betitelter Kapitel  aus meinem Buch Weinendes Baby – ratlose Eltern, in dem ich den m├╝ndigen Leser die Quellen erschlie├čen lasse, wei├č ich doch um die Folgen des Missbrauchs wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Betroffene kommen in diesem Buch kaum zu Wort, es sei denn durch leicht austauschbare, weniger authentisch klingende eingeschobene Zitate oder Floskeln wie ┬╗Ich komme zu gar nichts, weil mein Kleines st├Ąndig Unterhaltung braucht┬ź (S. 54) oder einen dem Haupttext angeh├Ąngten Bericht ├╝ber eine mit der Autorin befreundete Mutter, der zudem ein weniger typisches Beispiel darstellt.

Dass die Betroffenen auf Ratschl├Ąge empfindlich reagieren, wei├č die Autorin ebenfalls zu erw├Ąhnen, um zugleich mit Listen von Empfehlungen aufzuwarten, die einer seelisch aufgew├╝hlten und zutiefst verletzten Mutter kaum entgegen kommen: ┬╗Schmettern Sie gutgemeinte Tips nicht einfach ab, sondern antworten Sie etwa: ÔÇ×Das ist eine gute Idee, vielleicht werde ich das mal ausprobieren.“┬ź (S. 157). F├╝r einen ausgeschlafenen Politiker im diplomatischen Dienst mag dieser Tipp durchaus f├Ârdernd wirken. Einer w├╝tenden und gekr├Ąnkten Mutter fehlt zu solch nobler Selbstbeherrschung jedoch die Kraft.

Die ohnehin informationsbeladenen und v├Âllig ├╝berreizten Eltern ben├Âtigen (wie ihr Baby) auf das Wesentliche beschr├Ąnkte Orientierungshilfen, eine ├╝bersichtliche Struktur, um in einem Wirrwarr der Gef├╝hle Halt zu finden, statt von den ┬╗Tastpapillen, die ├╝ber den gesamten Zungenr├╝cken verteilt sind┬ź zu lesen (S. 108), um das Nuckeln an einem Schnuller oder Daumen zu rechtfertigen. Eltern, die ein Buch ├╝ber Schreibabys lesen, sind selten ungebildete Menschen ohne Kenntnisse grundlegender Ratgeberliteratur zur S├Ąuglingspflege.

┬╗Susanne Lucas kl├Ąrt in ihrem Hilfebuch kompetent und einf├╝hlsam ├╝ber das Schreisyndrom auf┬ź hei├čt es im Klappentext zu diesem Buch. Der Flei├č und das offene Interesse der Autorin an dieser viel diskutierten und schwer zu fassenden Thematik ist sicher nicht zu leugnen. Vielleicht h├Ątte es einfach nur der Einhaltung einer gewissen Reifezeit bedurft, um sich nicht in all den wichtigen und n├╝tzlichen Informationen zu verzetteln und den Eindruck zu hinterlassen, von der verbreiteten Unruhe und Hektik mitgerissen zu sein, statt ihr einen ruhenden Pol entgegenzuhalten. Einf├╝hlsam sind inzwischen die meisten Ratgeber f├╝r Eltern, wenn man den f├╝r ihre Produkte werbenden Kommentaren der herausgebenden Verlage glauben darf. Wie sich das Einf├╝hlen der Autoren bei den Lesern selbst anf├╝hlt, ist eine andere Frage.

Meine Meinung ist wie die eines jeden stets subjektiv und nicht auf den Rest der Menschheit ├╝bertragbar.

 Jutta Riedel-Henck, Januar 2000

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JonesSchlafende
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Sandy Jones

Schlafende Babys
Ruhige N├Ąchte

9. v├Âllig ├╝berarbeitete Auflage

192 Seiten, kartoniert
Urania-Ravensburger, 2001
ÔéČ 11,90
ISBN 3-332-00870-6

┬╗Schreiende Babys – Schlaflose N├Ąchte┬ź, war der Vorl├Ąufer dieses Buches von Sandy Jones betitelt, dessen amerikanische Original-Ausgabe 1983 erschien, die deutsche ├ťbersetzung folgte 1988 im Ravensburger Buchverlag.

Beim Bl├Ąttern in einem Versandhauskatalog f├╝r Baby-Artikel fiel mein Blick auf das Cover dieses Buches, mehr noch das darauf abgebildete Foto eines schreienden S├Ąuglings. Ich war gerade schwanger, f├╝hlte mich innig verbunden mit meinem noch ungeborenen Kind und dachte: Wei├č denn eine Mutter nicht, dass schreiende Babys Trost brauchen?

Einige Monate sp├Ąter, meine Tochter war gerade drei Monate alt, sa├č ich auf dem R├╝cksitz unseres fahrenden Autos und las in Windeseile, was die Autorin hier zusammengetragen hatte, um darin St├Ąrkung meines zutiefst angeschlagenen Selbstvertrauens zu finden. Bis dahin hatte ich mich wie eine weltfremde Ausnahme unter M├╝ttern empfunden, die mit einem besonders schweren Schicksal konfrontiert wurde, indem ihr Baby hypersensibel auf alle nur wahrnehmbaren Reize reagierte, wenig schlief, stundenlang schrie und unser Leben v├Âllig aus den Angeln hob. Nun endlich konnte ich diese schrecklichen Schuldgef├╝hle loslassen und mir zugestehen, eine f├╝rsorgliche Mutter zu sein, die all ihre Kr├Ąfte und Instinkte einsetzte, ihr Baby in seinem schwer zu entschl├╝sselnden Schreien verstehen zu lernen. Immer und immer wieder fischte ich mir die kursiv gedruckten Zitate anderer betroffener M├╝tter heraus, f├╝hlte mich reflektierend best├Ątigt und freundschaftlich aufgefangen. ┬╗Gott sei Dank, ich bin ein Mensch wie andere!┬ź, atmete ich auf! Es waren nicht so sehr die sachlichen Ratschl├Ąge, die ich suchte, wenn diese mir auch zur Orientierung dienten, um vermeintliche k├Ârperliche Ursachen auszuschlie├čen.

W├Ąhrend in der ersten Ausgabe vor allem Koliken als Schrei-Ursachen aufgef├╝hrt und in ihren vielf├Ąltigen Wirkungen beschrieben wurden, hat sich die aktuelle Auflage inhaltlich dem heutigen Stand der Erkenntnisse angepasst. Damit ist zugleich eine erfreuliche Entwicklung innerhalb der letzten 20 Jahre im Umgang mit Babys dokumentiert, da nicht nur k├Ârperlich nachweisbare Beschwerden, sondern vor allem die Seele des Kindes zunehmend Beachtung findet – wie auch die seelische Verfassung seiner Eltern!

┬╗Schlafende Babys – Ruhige N├Ąchte┬ź bietet einen klar strukturierten, rasch zu erfassenden Einblick in die Bandbreite m├Âglicher Schreiursachen. Stillprobleme, Allergien, Unruhe und Launen ├Ąlterer Babys und Kleinkinder werden ebenso ber├╝cksichtigt wie Stress, Depressionen und Wutgef├╝hle der M├╝tter (und nat├╝rlich V├Ąter). Am Ende jedes Kapitels ist in kurzen Stichworten und Zusammenfassungen aufgelistet, was die Eltern bei auftretenden Symptomen unternehmen k├Ânnen, um gerade in Stress-Situationen als Strohhalm bzw. Erste-Hilfe-Angebote Halt zu bieten.

Ein auch im Preis-Leistungs-Verh├Ąltnis praktikabler Ratgeber.

Jutta Riedel-Henck, 25. M├Ąrz 2003

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BenselBuch
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Dr. rer. nat. Joachim Bensel

Was sagt mir mein Baby, wenn es schreit?
Wie Sie Ihr Kind auch ohne Worte verstehen und beruhigen k├Ânnen

205 Seiten, Hardcover
ÔéČ 17,80
Oberstebrink, 2003
ISBN 3-934333-07-9

Dieses Buch ist ein echter Lichtblick auf dem Markt der Ratgeber-Literatur rund um schreiende Babys. Klar und einfach geschrieben, Grundlagen und Probleme rasch auf den Punkt gebracht, ├╝bersichtlich gestaltet, ohne ┬╗Zeigefinger-All├╝ren┬ź oder ein zwischen den Zeilen durchschimmerndes ┬╗Sch├Ąmen Sie sich, wenn Sie nicht folgen …┬ź, wissenschaftlich orientiert und zugleich real nachvollziehbar, allgemein gehalten und damit f├╝r den Einzelnen offen f├╝r eigene Variationen und Vorlieben, ein zweifelsfrei empfehlenswertes Standardwerk f├╝r Eltern, Angeh├Ârige, Kinderkrankenschwestern und -├Ąrzte, Still- und ErziehungsberaterInnen, Hebammen sowie alle, die fr├╝her oder sp├Ąter mit S├Ąuglingen ins Gespr├Ąch kommen, um sie besser zu verstehen.

Dabei steht das Schreien keineswegs im Mittelpunkt, sondern gilt als Ausdruck ├Ąu├čeren Unbehagens, dessen Ursachen nicht immer leicht herauszufinden und erfolgreich zu befriedigen sind.

Der Autor Joachim Bensel, Vater einer Tochter, Verhaltensbiologe und Leiter der ┬╗Freiburger S├Ąuglingsstudie┬ź, betreibt seit 1993 Forschungen auf dem Gebiet des S├Ąuglingsschreiens. Mit Hilfe von Vergleichen unterschiedlicher Erziehungsmethoden, Gewohnheiten und Br├Ąuche im Umgang mit Babys, ihren M├╝ttern und V├Ątern zwischen traditioneller und industrieller Gesellschaft zeigt er die Vor- und Nachteile unserer herrschenden Betreuungsgewohnheiten auf. Angst vor dem Verw├Âhnen, wenn Eltern mit ihrem Kind das Bett teilen, rasch auf sein Weinen reagieren, nach Bedarf stillen bzw. f├╝ttern, es viel am K├Ârper tragen … ist demnach eine v├Âllig ├╝berfl├╝ssige, aber leider intensiv verbreitete Marotte unserer auf Autonomie und technischen Fortschritt geeichten Kultur. Nicht, dass der Leser aufgefordert wird, die Stadt zu verlassen und in den brasilianischen Urwald ├╝berzusiedeln. In diesem Buch geht es um ganz banal menschliches Verhalten, das auch dem zivilisierten Stadtmenschen erm├Âglicht, die ihm inne wohnenden Instinkte zu entfalten und Vertrauen in brach liegende und vernachl├Ąssigte F├Ąhigkeiten zu entwickeln.

Mit Hilfe differenzierter Beschreibungen m├Âglicher Verhaltens├Ąu├čerungen und ihrer Bedeutung erhalten verunsicherte Eltern ein praktikables ┬╗ABC┬ź der S├Ąuglingssprache. Was verr├Ąt uns seine Mimik, leichtes Quengeln oder Seufzen, das Wegdrehen des K├Âpfchens? Wie k├Ânnen Eltern dem Schreien vorbeugen?

Schreien einige Babys mehr als andere, ist das nicht zugleich Zeichen elterlicher Fehler oder Kommunikations-Unf├Ąhigkeit. Vielmehr gibt es Babys, die empfindlicher auf Reize der Umwelt reagieren und in den ersten Lebensmonaten mehr Zuwendung und Unterst├╝tzung brauchen, um einen stabilen Rhythmus zu finden. Eltern von ┬╗Schreibabys┬ź sind besonders gefordert, ihr Baby und sein Verhalten zu studieren. Entlastend auch die Einsicht, dass ┬╗Schreibabys┬ź selten langfristig Problemkinder bleiben. Ein Grund mehr also, sich von Schuldgef├╝hlen zu l├Âsen und diese fr├╝he Phase vermehrter Unruhe als solche anzuerkennen und jede m├Âgliche Hilfe selbstverst├Ąndlich in Anspruch zu nehmen.

So gl├╝ckt diesem Buch mit einem abschlie├čenden Kinderarzt-Interview eine hoffnungsvolle ├ťberwindung verbreiteter Schwellen├Ąngste zwischen Ratgebern und Eltern, die nach der Lekt├╝re gest├Ąrkt und kompetent ihr Elterndasein durchaus mit Stolz und kindlichem Staunen genie├čen d├╝rfen im Angesicht ihrer naturgegebenen F├Ąhigkeiten, auch die schwierigen Herausforderungen ihres Lebens zu meistern.

Jutta Riedel-Henck, 23. Juni 2003

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ChristineRanklBeruhigeBaby02
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Christine Rankl

So beruhige ich mein Baby
Tipps aus der Schreiambulanz

200 Seiten, kartoniert
ÔéČ 14,90
Walter, D├╝sseldorf u. Z├╝rich
Februar 2005
ISBN 3-530-40174-9

Mit jeder Neuerscheinung zum Thema ┬╗Schreibabys┬ź erweitert sich das Feld m├Âglicher Perspektiven in der Betrachtung ├╝berm├Ą├čig schreiender Babys durch die unterschiedlichen Erfahrungen der jeweiligen Autoren und Autorinnen.

F├╝r Betroffene ist es nicht immer leicht, die richtige Auswahl zu treffen, zumal das Lesen von B├╝chern mit ├╝berreizten Nerven nach schlaflosen N├Ąchten ohnehin als Luxus erscheint, w├Ąhrend das Baby die uneingeschr├Ąnkte Aufmerksamkeit seiner Eltern fordert.

Christine Rankl ist praktizierende Psychologin in der S├Ąuglingspsychosomatik am Wiener Wilhelminenspital, Mutter zweier Kinder und Autorin des neu im Walter-Verlag erschienenen Werkes ┬╗So beruhige ich mein Baby – Tipps aus der Schreiambulanz┬ź.

Angenehm praxisnah, leicht nachvollziehbar, benutzerfreundlich und humorvoll liest sich ihr Ratgeber f├╝r Eltern, deren schreiendes Baby einem Buch mit sieben Siegeln gleicht, welche es in vielen m├╝hsamen Schritten zu l├Âsen gilt, um den wahren Bed├╝rfnissen des jungen Erdenb├╝rgers auf die Spur zu kommen.

Im ersten Teil widmet sich die Autorin der Entstehung von Schreiproblemen als Schlaf-, Regulations- und Kommunikationsproblem. Darauf folgt im zweiten Teil eine detaillierte Schilderung von M├Âglichkeiten, das Baby seinem Alter und Temperament gem├Ą├č durch die unterschiedlichen Entwicklungsphasen zu begleiten. Schlaf- und F├╝tterungsprobleme werden ebenso erl├Ąutert wie Autonomiebestrebungen und Abh├Ąngigkeitskonflikte zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung steht im Mittelpunkt des dritten und letzten Teils, gefolgt von einem Anhang mit Tagesablaufprotokoll (Vordruck), Literaturtipps und Adressen von Beratungs- und Therapieangeboten.

Eine empfehlenswerte und sinnvolle Bereicherung auf dem Markt der Elternratgeber!

Jutta Riedel-Henck, 11. M├Ąrz 2005

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