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A. Kast-Zahn; H. Morgenroth
Jedes Kind kann schlafen lernen Vom Baby bis zum Schulkind: Wie Sie Schlafprobleme Ihres Kindes vermeiden und lösen können
172 Seiten, gebunden Ratingen: Oberstebrink, 2002. € 17,80 ISBN 3934333095
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Dieses Buch, so scheint es, ist ein richtiger Renner unter den Ratgebern für gestresste müde Eltern. Auch in Kleinstadtbuchhandlungen sehe ich davon stapelweise zum Verkauf bereitliegen, über
Versand-Kataloge, Leserbriefe, Artikel loben Mütter den durchschlagenden Erfolg des darin vorgestellten Behandlungsplanes, sprechen begeisterte Empfehlungen aus und wirken rund um zufrieden mit ihren
durchschlafenden Babys bzw. Kleinkindern. Was könnte also daran auszusetzen sein?
In der letzten Zeit häufen sich Anrufe, in denen hilfesuchende, völlig am Boden zerstörte Mütter mir erzählen, sie hätten alles ausprobiert, um ihrem schreienden, unruhigen Baby zu helfen,
schließlich Jedes Kind kann schlafen lernen zu Rate gezogen, mit dem Ergebnis, dass alles nur noch schlimmer geworden sei.
Ich habe das Buch nun zweimal innerhalb einer Zeitspanne von etwa drei Jahren gelesen. Tatsächlich finde ich an seinem Inhalt kaum etwas auszusetzen. Die Autoren erklären einfach und plausibel,
differenziert und praxisorientiert, wie Babys schlafen, warum sie in den ersten Lebensmonaten häufiger aufwachen als im Kleinkindalter, wie sich »schlechte« Gewohnheiten einschleichen und festigen und
was die Eltern tun können, um ihre Kinder mit Hilfe konsequenter Verhaltensweisen an einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus zu gewöhnen. Dabei orientieren sie sich an einer Methode, die der Leiter des
Kinderschlafzentrums einer Kinderklinik in Boston, Professor Ferber, entwickelt hat.
Gestern wie heute empfand ich eine untergründige, schwer greifbare Abneigung, während ich in dem Buch las und mir immer wieder vorstellte, im ersten Lebensjahr meiner Tochter darin gelesen zu haben.
Damals traf ich nur beiläufig auf Empfehlungen in Elternratgebern, in denen die Ferber-Methode vorgeschlagen wurde, um Schlafprobleme zu lösen. Ich zog es vor, mich nicht daran zu halten, sondern
suchte, wenn auch mühevoll, meinen eigenen Weg, um mit den Schlaf- und Schreiproblemen fertig zu werden.
Heute, mit einem gewissen Abstand, aus einer wesentlich ruhigeren Position heraus, sehe ich durchaus ein, dass viele Menschen darauf angewiesen sind, konkrete Ratschläge zu erhalten, um sich ebenso
konkret und streng danach zu richten. Jeder, der irgendwie zweifelt oder ein Mensch ist, der (wie ich) zum Hinterfragen und tiefgründigen Kritisieren neigt, wird mit Büchern wie diesem wahrscheinlich
ungern Freundschaft schließen.
Hinzu kommt, dass die so genannte Ferber-Methode erst für Babys im Alter ab sechs Monaten empfohlen wird. »Richtige« Schrei-Babys schlafen jedoch gerade in den ersten sechs Monaten schlecht, ihre
Eltern sind meist viel zu verzweifelt und ausgelaugt, um einen konsequenten Behandlungsplan zu entwickeln und in der Praxis durchzuhalten.
Als sachlich aufklärende Orientierung ist Jedes Kind kann schlafen lernen sicher eine Hilfe. Niemand muss aber ein schlechtes Gewissen haben, wenn es »bei ihm nicht klappt« oder wenn er ganz einfach abgeneigt ist, sich von außen belehren und führen zu lassen, so sehr die Masse der erfolgreichen Eltern auch drückt (»Das musst du unbedingt probieren, hilft garantiert!«).
Es ist weniger der Inhalt als der Umgang mit diesem Buch, den ich kritisiere. Wie in anderen Bereichen, schreien viele erwachsene (!) Menschen stets nach einem Ratgeber, einem Führer, um aus einem
Erfolgsrezept ein Patentrezept zu kreieren, bis aus dem ehemals sinnvollen Projekt eine Ideologie entsteht, gegen die zu wehren es gerade für verzweifelte, labile, verletzte und »eigenartige« Eltern
eines Kampfes bedarf, dem sie in ihrer Ausnahmesituation leicht unterliegen.
Ich weiß, dass ich zu einer kleinen Minderheit zähle ähnlich wie Mütter, die mir von ihren Misserfolgen berichten. Doch wenn im Netz der Erfolgsrezepte Massen hängen bleiben, so zählen jene, die
durch die Maschen fallen, nicht weniger als all die Einzelnen, die das Glück haben, unter Vielen zu sein.
Jutta Riedel-Henck, Januar 2000
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Siehe auch die Besprechung des Buches auf der Site www.das-kind-muss-ins-bett.de/hints_kastmor.html
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William Sears
Schlafen und Wachen
Ein Elternbuch für Kindernächte
217 Seiten, broschiert Schweiz: La Leche Liga, 1991 € 13,90 ISBN 3-906675-03-3
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Schlaflose Nächte – eine der wohl am meisten gefürchteten Begleiterscheinungen des Elterndaseins. Denn kaum etwas bringt einen in so kurzer Zeit an den Rand körperlicher Erschöpfung, lässt die
Laune dauerhaft auf den Nullpunkt sinken und trübt so das gesamte Familienleben.
William Sears, Kinderarzt und achtfacher Vater, weiß um die Ratlosigkeit vieler Eltern, wie die lieben Kleinen dazu bewegt werden könnten, nachts durchzuschlafen oder wenigstens überhaupt mal
einzuschlafen. In seinem Buch »Schlafen und Wachen« erläutert er zunächst die Ursachen des anderen Schlafverhaltens von Babys und zeigt, dass das häufige Aufwachen von der biologischen
Entwicklungsgeschichte her durchaus Sinn macht – und daher auch keine schlechte Angewohnheit darstellt, die es möglichst schnell abzustellen gilt.
Wie aber können Eltern so damit umgehen, dass ihr eigenes Schlafbedürfnis auf Dauer gesehen nicht zu kurz kommt? Sears ist der Ansicht, dass sich das Kind am ehesten auf lange Sicht zu einem guten
Schläfer entwickeln wird, wenn es das Einschlafen und den Schlaf als angenehmen Zustand erlebt. Er lehnt daher sämtliche Einschlafzeremonien ab, die mit Schreien-Lassen des Kindes einhergehen, und
empfiehlt vielmehr, das Kind in den Schlaf zu begleiten, sei es mit Stillen, Herumtragen, Schaukeln oder gebärmutterähnlichen Geräuschen.
Darüber hinaus empfiehlt er das gemeinsame Schlafen von Eltern und Kind, da dieser intensive Betreuungsstil für die Eltern meist mit dem geringsten Aufwand verbunden ist und sich auch das Baby in ihrer
unmittelbaren Nähe in der Regel am wohlsten fühlt.
Auf die Situation von Eltern mit Schreibabys wird in einem gesonderten Kapitel eingegangen, da diese Babys am schwersten zum Schlafen gebracht werden können. Ich hatte bei meinem eigenen Schreibaby oft
das Gefühl, dass wir so schnell gar keine neuen Einschlaftricks erfinden konnten, wie die bisherigen schon wieder wirkungslos wurden.
Bemerkenswert an den Büchern von William Sears ist, dass er den Eltern so viel Mut macht, auf die Bedürfnisse des Kindes uneingeschränkt einzugehen, und den langfristigen Nutzen dieses Betreuungsstils
aufzeigt. Dies dürfte vor allem die Mütter und Väter ansprechen, denen fortwährend gesagt wird, sie würden ihr Kind hoffnungslos verwöhnen, ihm keine Gelegenheit zur Entwicklung von
Selbständigkeit geben, einen Familientyrannen heranziehen. Und welcher Mutter eines Schreibabys wurde das etwa nicht gesagt, wo sie doch Stund um Stund mit ihrem Baby zugange ist, während das Vertrauen
in die Signale ihres Kindes und in ihre eigenen mütterlichen Fähigkeiten im selben Maße schwindet?
Dabei verliert der Autor keineswegs aus den Augen, dass dies für die Eltern ein steiniger Weg ist und sie deshalb auf Unterstützung, sowohl gegenseitig als auch von ihrer Umgebung, angewiesen sind. Das
geht umso leichter, wenn die Eltern am gleichen Strang ziehen. Wie viele Streitereien entstehen allein dadurch, dass sich Vater und Mutter nicht einig sind, ob man das Baby schon wieder herumtragen oder
es doch eher mal in seinem Bettchen schreien lassen soll. In Zeiten schwacher Nerven ist dies für alle Beteiligten unerträglich. Deshalb misst Sears auch der Einheit von Vater-Mutter-Kind eine solche
Bedeutung bei. Eine Einheit, die kaum ein anderes Baby so hart auf die Probe stellt, wie ein »besonders liebebedürftiges«.
Beate Losch, Oktober 2000
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Jirina Prekop
Schlaf, Kindlein – verflixt noch mal! Ein Ratgeber für genervte Eltern
131 Seiten, Taschenbuch München: dtv, 2000. € 7,41 vergriffen gebraucht bestellen ISBN 3-423-36189-1
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Schlafprobleme – ein heiß umstrittenes, aufwühlendes, belastendes und schwer zu handhabendes Thema. Kein Wunder also, dass Ratgeberbücher und Zeitschriftenartikel sich den leidvollen Erfahrungen
übermüdeter und gestresster Familien gerne widmen, um darüber zu schreiben und: Ratschläge zu erteilen.
Dass Ratschläge, Tipps und Hilfsangebote heute in so zahlreichen Publikationen vorliegen, erscheint zunächst wie die unumgängliche Antwort auf eine zutiefst verunsicherte Elterngeneration. Die
Diplom-Psychologin und in weiten Kreisen bekannte Autorin Jirina Prekop hat sich dieser Problematik gewissermaßen »verschrieben«, indem sie stetig und nachdrücklich den fehlenden Halt einer zu
freizügigen »Wischi-Waschi«-Erziehung kritisiert und deren Folgen anhand konkreter Beispiele aus ihrer langjährigen Praxis erläutert.
Kinder verfügen noch nicht über ausreichende Schutzmechanismen gegen kränkende und verletzende Übergriffe auf ihre Seele. Sie schreien, werfen sich in aller Öffentlichkeit zu Boden, beschimpfen ihre
Eltern an der Supermarktkasse und nehmen kaum ein Blatt vor den Mund. Wenn sie Probleme haben, schlafen sie schlecht, verweigern das Essen oder Zuhören, schlagen um sich, und ihre Eltern haben alle
Mühe, sie in ihrem auffälligen Verhalten zu bremsen, um nicht Opfer von Übergriffen durch entwürdigende, bloßstellende Bemerkungen neugieriger Zuschauer zu werden.
Aus dieser Not des natürlichen Schutzes heraus vermeiden viele Eltern den aufrichtigen Umgang mit Problemen. Es wird geschwiegen, vor sich hergeschoben, nicht selten mit der heimlichen Hoffnung auf
ungeahnte Wunder, bis die Lösung des Problems so unerreichbar fern erscheint, dass nur noch der liebe Gott helfen kann – oder einer seiner irdischen Vertreter.
Die Handlungslähmung verwandelt erwachsene Eltern in hilflose Kinder, die in der Flut der sich widersprechenden Ratgeberliteratur zu ertrinken drohen. Was ist richtig? Was soll ich tun? Methode A oder
Methode C? Wem kann ich überhaupt noch vertrauen, wenn der erste Experte anders spricht als der zweite? Sind Experten noch Experten oder allesamt Scharlatane? Können Bücher überhaupt helfen? Sollten
wir nicht endlich die graue Theorie beiseite lassen und uns dem Leben widmen, der Erfahrung, unseren angeborenen Fähigkeiten, der Intuition?
Wenn Ideologien unser Leben beherrschen, ist es unmöglich, sie von heute auf morgen abzustreifen. In der Not braucht der verunsicherte Mensch keine langen Reden, sondern eine konkrete Tat, einen Rat,
eine »ganz sichere Empfehlung«, wie eines der Kapitel in Schlaf, Kindlein – verflixt noch mal betitelt ist. So übernimmt die Autorin Jirina Prekop wie in ihren anderen Büchern die Rolle der strengen, aber gutmütigen Erzieherin, die den verunsicherten Eltern klipp und klar die Meinung sagt.
Für erschöpfte, verwirrte Eltern, die dringend einen Strohhalm benötigen, bietet dieses Buch einen klaren und festen Halt, um aus ihrer augenblicklichen Misere herauszufinden. Einmal gestärkt und
ausgeschlafen können sie die Wegweisungen Jirina Prekops als Anregung für eigene Exkursionen betrachten, in Frage stellen und erkennen, dass jeder Autor, jeder Experte ein Mensch ist wie du und ich,
Mutter, Vater oder Kind, der seine naturgegebenen Grenzen hat, um diese in der Zeit immer neu zu entdecken und aufs Spiel zu setzen.
Jutta Riedel-Henck, Januar 2000
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Ulrich Rabenschlag
So finden Kinder ihren Schlaf Informationen und Hilfen für Eltern
187 Seiten, Taschenbuch Freiburg i. B.: Herder, 2001 € 9,50 ISBN 3-451-05213-X
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Dieses Buch möchte ich unter der mir bekannten Literatur des gegenwärtigen Marktes als Einstiegswerk zum Thema Schlafprobleme bei Kindern empfehlen.
Der Autor Ulrich Rabenschlag ist Initiator und wissenschaftlicher Leiter der Freiburger Kinderschlafambulanz und verfügt über ein breites Spektrum an Wissen mit gleichzeitigem Tiefgang in die
Gesamtproblematik kindlichen Schlafes, dem Leser vermittelnd, dass dieser meist natürliche Anpassungsdiskrepanzen zu Grunde liegen und seltener als befürchtet krankhafte Störungen psychischer und/oder
physischer Art.
Fast ein wenig poetisch führt Rabenschlag in das Traumgeschehen des Kindes ein, das zu Beginn seines Lebens in der magischen Welt zwischen Phantasie (Traum) und Realität (Wirklichkeit) zu
Hause ist, ohne das eine vom anderen zu trennen. So gilt es, sich in die naturgegebenen und damit durchaus nützlichen Ängste des Kindes einzufühlen, statt ihm frühzeitig mit rational aufgestülpten
Lernprogrammen zu begegnen in der Hoffnung auf Erfüllung elterlicher Vorstellungen und Erziehungsmuster, die den biologischen Rhythmus des Kindes sowie seine Bedürfnisse nach freier Entfaltung
missachten.
In verständlicher Sprache erläutert Ulrich Rabenschlag die Notwendigkeit von Schlafen und Träumen für Kinder jeden Alters wie auch den erwachsenen Menschen, verbunden mit der Entwicklung
von Schlaf-Wach-Rhythmen sowie den unterschiedlichen Schlafphasen innerhalb von 24 Stunden zwischen Tag und Nacht.
Alleine diese Kenntnisse helfen den betroffenen Eltern, sich auf die spezifischen Bedürfnisse ihres Kindes einzulassen, seinem Entwicklungsstand gemäß zu reagieren und die
Unregelmäßigkeiten im Schlafverhalten in kleinen Schritten auszugleichen bzw. regulierend einzugreifen, ohne das Kind zu überfordern.
So rät der Autor davon ab, Kinder im zweiten Lebenshalbjahr mit einem nach Prof. Ferber entwickelten Schlafprogramm zu erziehen (siehe auch Literatur »Jedes Kind kann
schlafen lernen«) und empfiehlt alternativ die »Freiburger Sanduhr-Methode« ab Vollendung des ersten Lebensjahres.
Aber nicht nur entwicklungsabhängige Schlafunregelmäßigkeiten finden in diesem Buch Erwähnung, auch Alpträume und der so genannte Nachtschreck (Pavor nocturnus), Bettnässen sowie schwer
wiegende Störungen werden neben einer Reihe weiterer möglicher Ursachen und Diagnosen zur Sprache gebracht.
Abschließend bekommt der Leser einen kurzen Überblick in die therapeutischen Vorgehensweisen und Behandlungsansätze, die einer erfahrungsreichen Studien- und Praxisarbeit entstammen und
jeweils auf die spezifischen Einzelfälle und Anforderungen abgestimmt werden, ohne die Eltern zu überrumpeln oder bevormunden, in Rücksichtnahme ihrer naturgegebenen Kompetenz, deren Entfaltung mit
Hilfe einer sensiblen Begleitung durch aufgeschlossene Kinderschlaf-Experten gefördert wird, ein Angebot, das in seiner Vorbildlichkeit nicht hoch genug zu würdigen ist!
Jutta Riedel-Henck, 3. September 2003
Kontaktadresse:
Kinderschlafambulanz Freiburg (DGSM)
Dr. med. Dipl. Psych. Ulrich Rabenschlag Herrenstr. 62 79098 Freiburg Tel: (07 61) 2 17 - 08 80
siehe auch: Buchbesprechung von »Kinder reisen durch die Nacht«, Ulrich Rabenschlag von Barbara Schmid
Weitere Links zum Thema auf der »Schlafen-Seite« von Trostreich
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Petra Weidemann-Böker
Das neue Ein- und Durchschlafbuch Die 6 besten Einschlaf-Programme für Kinder
284 Seiten, geb. ObersteBrink, 2007 € 22,80 ISBN 978-3-934333-33-8
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Dem Inhalt des Buches wird durch seinen Titel und Untertitel Unrecht getan. Wie einen Folgeband des Bestsellers »Jedes Kind kann schlafen lernen« präsentiert der Verlag diesen Ratgeber,
ausgestattet mit dem Kennzeichen »Die Nr. 1 beim Kinderarzt« als in »Partnerschaft mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.« entstandenes Werk. Rot hinterlegt der aufgedruckte Button:
»Neu! Für jedes Kind die richtige Methode«.
Eine Präsentation, die zur ungeprüften Übernahme von (Vor-) Urteilen verleitet, welche vielen Eltern und Experten durch intensive Auseinandersetzungen mit der »Jedes Kind kann«-Methode
vertraut sind.
Zu Recht sträuben sich potenzielle Leser/innen gegen eine durch Schlagwörter suggerierte von Kinderärzten »prämierte« Rezeptsammlung (Die Nr. 1 beim Kinderarzt), welche die Kompetenz der
Betroffenen in den Hintergrund drängt und dem Bild der Unterwerfung an wissenschaftlich abgesicherte »Fakten« kritiklos zu gehorchen droht.
Dem entgegen folgt die Autorin einer in jeder Hinsicht elternfreundlichen Idee, die bereits im Vorwort klar zum Ausdruck kommt:
»Leider gibt es keine Patentlösung, mit der man wie auf Knopfdruck das Problem lösen kann. Aber es gibt Wege, die inzwischen vielfach erfolgreich erprobt sind. Und zwar nicht den einen
allein selig machenden Weg, sondern verschiedene Wege, die individuell auf die Situation jeder einzelnen Familie abgestimmt werden können.«
Schon während und spätestens nach dem Lesen dieses umfangreichen Buches werden Ratsuchende merken, dass sie ihren Weg selbst finden und die Angebote konkreter Tipps eigenverantwortlich
wählen und in die Praxis umsetzen müssen.
Petra Weidemann-Böker, Diplom-Sozialpädagogin, Erzieherin, PEKIP-Gruppenleiterin und Mutter einer Tochter, schöpft dabei aus ihren vielfältigen Erfahrungen in der Begegnung mit Rat
suchenden Eltern. Neben erprobten Ein- und Durchschlafhilfen fließen Erfahrungsberichte sowie Erkenntnisse von Experten in diese reichhaltige Sammlung. Die »6 besten Einschlaf-Programme für Kinder«
werden dabei eher am Rande kurz vorgestellt, ergänzt mit Formularen zum Protokollieren und Notieren des kindlichen Schlafverhaltens.
Sinnvoll eingebettet ist die eigentliche Problematik in die Auseinandersetzung mit dem familiären Alltag, sozialen Umfeld und allen darin auftauchenden Problemen, seien sie emotioneller oder
finanzieller Natur. Dass Schlafen keine Technik ist, die der Mensch wie ein Handwerk nach Schema F erlernen kann, geht aus alledem unmissverständlich hervor.
Dieses Buch ist im Grunde mehr als ein Ratgeber zum Thema Baby- und Kinderschlaf. Es liest sich kaum in einem Rutsch, sondern konfrontiert den Leser mit vielen Seitenwegen und Gedanken rund um
das Leben mit sich und seiner jungen Familie. Untröstliches Schreien findet darin ebenso Berücksichtigung wie die Berufstätigkeit von Mutter und Vater.
»Deshalb zeigt dieses Buch nicht nur die sechs besten Einschlaf-Programme, sondern erklärt die Entwicklungs-Phasen kleiner Kinder, erläutert die psychologischen Hintergründe in der
Eltern-Kind-Beziehung und gibt viele konkrete Hinweise für den richtigen Umgang mit Babys und Kleinkindern. Dieses Buch ist also weit mehr als eine „Schlaflern-Schule“ für Kinder. Es ist auch
eine Art „Eltern-Schule“, die den Eltern wertvolle Hilfestellungen für ein zufriedenes Familienleben gibt.«
Schwer fiel mir das Lesen der grün hinterlegten weißen Schrift in den Extra-Kästen. Für eine Neuauflage würde ich dem Verlag nahelegen, eine mit dem Hintergrund stärker kontrastierende
Schriftfarbe zu wählen (warum nicht einfach Schwarz?). Und häufig hatte ich den Eindruck, als sei der letzte Schliff im Lektorat in großer Eile geschehen, hat sich doch eine nicht geringe und
auffällige Menge an Flüchtigkeitsfehlern eingeschlichen.
Abgesehen von der beanstandeten »Verpackung« des Inhaltes ein empfehlenswerter Ratgeber zum Thema Kinder-Schlaf, der sich von den vielen bereits auf dem Markt erhältlichen Werken angenehm
unterscheidet und manch neue Sichtweise herausfordert.
Jutta Riedel-Henck, 15. April 2008
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© 2008 bei den Autoren
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